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Living · Wohnen · November ·

Das leise Zuhause im November wenn der Herbst vorbei ist und Weihnachten noch nicht anfängt

Es gibt diesen Moment Anfang November, da ist die Wohnung plötzlich zwischen zwei Stühlen. Der Kürbis auf der Kommode sieht müde aus. Die Blätter, die im Oktober noch nach Ernte rochen, sind einfach nur trocken. Und für Tannengrün ist es zu früh – viel zu früh, das würde sich anfühlen, als hätte man einen Monat übersprungen.

Also lässt man alles stehen. Und die Wohnung bleibt drei Wochen lang in einem Zustand, den niemand gewählt hat.

Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass der November kein Übergang ist, den man überstehen muss. Er ist eine eigene Jahreszeit. Die leiseste, die wir haben. Und wenn man ihn als solche behandelt, wird er der schönste Monat im ganzen Wohnjahr.

Leere helle Fensterbank mit einer einzelnen cremefarbenen Vase an einem grauen Novembertag Pinnen

Eine leere Fensterbank und ein einziges Objekt – im November reicht das.

Der November hat kein Fest und genau das ist seine Stärke

Jede andere Jahreszeit hat ihren Anlass. Der Oktober hat die Ernte, der Dezember hat Weihnachten, der Frühling hat das erste offene Fenster. Der November hat nichts davon, und deshalb muss er nichts beweisen.

Das heißt: keine Deko, die eine Jahreszeit ansagt. Kein Motto, kein Saisonthema. Der November verträgt genau eine Sache gut – Reduktion. Alles, was jetzt noch steht, sollte auch im Januar noch stehen dürfen.

Das ist mein einziger Maßstab in diesen Wochen: Würde ich das auch im Februar noch schön finden? Wenn ja, darf es bleiben. Wenn nein, wandert es in den Beutel.

Was jetzt rausdarf und was bleibt

Raus dürfen alle Stücke, die eine Zeitangabe tragen. Orange Kürbisse, alles mit Erntemotiv, getrocknetes Laub, das inzwischen bröselt.

Bleiben dürfen die Formen. Ein heller Kürbis aus Leinen ist im November kein Herbstsymbol mehr, sondern nur noch eine schöne, runde Form. Und Formen haben kein Ablaufdatum. Genauso Birnen, Zweige, alles aus Naturmaterial ohne Farbsignal.

Der Unterschied ist nicht das Objekt. Es ist die Farbe. Alles, was ockergelb oder rostrot ist, hat seinen großen Herbstauftritt gehabt. Alles in Creme, Leinen-Natur, Grau und Salbei kann einfach weiterstehen.

Bei mir steht eine Birne aus hellem Leinen seit zwei Wintern auf der Flurkommode. Sie wurde nie weggeräumt, weil es nie einen Moment gab, an dem sie falsch ausgesehen hätte. Das ist genau die Sorte Stück, die durch den November trägt.

Licht ist jetzt die wichtigste Deko drei kleine statt einer großen

Im November wird es schon am späten Nachmittag dunkel. Das ist keine Einschränkung, das ist das Material, mit dem wir arbeiten.

Wohnraum am Abend mit drei kleinen warmen Lichtquellen, Deckenlicht aus Pinnen

Drei kleine Lichter statt einer Deckenlampe – das verändert den Raum sofort.

Die Regel, die bei mir alles verändert hat: kein Deckenlicht nach vier Uhr. Stattdessen drei bis vier kleine Lichtquellen auf Augenhöhe oder tiefer – eine Tischlampe, eine Kerze, eine Leuchte im Regal. Der Raum wird sofort kleiner und wärmer, und das ist genau das, was man im November will.

Wenn du nur eine Sache änderst, dann diese. Sie kostet nichts und wirkt stärker als jede Deko.

Und tagsüber: Fenster frei. Die paar Stunden Licht, die es gibt, sollen ungehindert reinkommen. Schwere Vorhänge zur Seite, Fensterbank nicht zustellen. Ein einzelnes Objekt auf der Fensterbank ist schöner als fünf, weil es dann Licht ringsherum hat statt Konkurrenz.

Die Schichten wechseln nicht die Räume

Man muss im November nichts umstellen. Man muss nur die Oberflächen wechseln.

Leinen im Sommer, Wolle im Winter – dazwischen liegt der November, und er darf beides. Eine Wolldecke über die Sofalehne, ein zusätzliches Kissen, ein Läufer aus grober Wolle auf dem Esstisch. Alles in einem Ton mit dem, was schon da ist.

Grob gewebte Wolldecke mit Fransen neben einem Leinenkissen auf einer Sofalehne Pinnen

Grobe Wolle, glattes Leinen, rohes Holz – Wärme entsteht über die Struktur.

Bei den Textilien ist jetzt die Struktur wichtiger als zusätzliche Farbe. Grobe Wolle neben glattem Leinen neben rauem Holz – das ist die ganze Kunst. Sobald verschiedene Oberflächen aufeinandertreffen, wirkt der Raum warm, auch wenn alles beige ist.

Was mir dabei jedes Jahr auffällt: Ich fasse die Wolldecke im Vorbeigehen an. Nicht, um sie geradezuziehen – ich streiche einfach darüber. Im Sommer gehe ich an denselben Möbeln vorbei, ohne sie zu berühren. Der November macht aus dem Zuhause etwas, das man anfasst.

Die Farbkarte für die dunklen Wochen Creme · Leinen · Salbei · Espresso

Ich arbeite in diesen Monaten mit einer sehr kurzen Palette, und das macht die Entscheidungen leicht:

  • Creme als Grundton, überall
  • Leinen-Natur für alles Textile
  • Salbei oder ein anderes stumpfes Grün als einzige Farbe
  • Espresso für Holz, Zweige, Kontraste

Rot, Gold und Orange lasse ich in diesen Wochen bewusst weg. Nicht, weil sie nicht funktionieren würden – ein tiefes Burgunder kann im November großartig aussehen. Aber für mich bringen sie eine Feierlichkeit in den November, die ich mir lieber für den Dezember aufhebe.

Zweige statt Blumen

Im November greife ich lieber zu Zweigen als zu Blumen. Blumen sind mir in diesen Wochen zu kurzlebig für das, was sie kosten – beim Rückschnitt im Garten bleiben oft genau die richtigen übrig, und sie halten wochenlang.

Große cremefarbene Vase mit kahlen Zweigen auf einer hellen Kommode, Schattenwurf an der Wand Pinnen

Kahle Zweige, viel freie Wand – und der Schatten gehört zum Motiv.

Was jetzt gut aussieht: kahle Zweige mit Struktur – Hasel, Birke, Kirsche. Eukalyptus, wenn du kaufen willst. Später im Monat auch schon die ersten immergrünen Zweige, aber einzeln und ohne Weihnachtsbezug: ein Zweig in einer Vase ist Winter, ein Gesteck ist Advent.

Eine große Vase mit ein paar kahlen Zweigen trägt einen ganzen Raum, und sie kann wochenlang stehen.

Was man riecht, wenn man hereinkommt

Das ist der unterschätzteste Teil. Im November riecht eine Wohnung schnell nach geschlossenen Fenstern.

Zwei Dinge helfen: einmal am Tag richtig stoßlüften, auch wenn es wehtut. Und eine Kerze, die nicht nach Weihnachten riecht – bei mir schlichtes Bienenwachs mit seinem warmen, unaufdringlichen Duft. Zimt und Orange hebe ich mir auf. Wenn die schon im November laufen, ist der Dezember abgenutzt, bevor er anfängt.

Ein Nachmittag reicht fünf Schritte, zwei Stunden

Wenn du das umsetzen willst, brauchst du keinen Umbau. Du brauchst zwei Stunden an einem grauen Samstag:

  1. Beutel holen. Alles deutlich Herbstliche, alles Bröselige, alles mit Erntemotiv einpacken und weg damit.
  2. Flächen neu aufbauen. Kommode und Fensterbank leerräumen, dann bewusst bestücken: ein hohes Objekt, ein flaches daneben, Rest frei. Das Freie ist der Trick – zwei Dinge mit Luft dazwischen wirken aufgeräumter als fünf, die sich berühren.
  3. Zweige schneiden. Ein paar kahle Zweige, eine große Vase, fertig.
  4. Textilien tauschen. Wolle raus aus dem Schrank, eine Schicht mehr als vorher.
  5. Licht umstellen. Deckenlampe aus, drei kleine Lichter an. Einmal hinsetzen und schauen.

Danach ist die Wohnung nicht dekoriert. Sie ist aufgeräumt und warm, und das ist im November mehr wert.

Und dann kommt der Dezember von allein

Das Schöne an dieser Art zu wohnen: Du musst im Dezember nichts abbauen. Die helle Basis bleibt einfach stehen, und Weihnachten kommt als Schicht obendrauf – eine Kerze mehr, ein Tannenzweig, vielleicht ein Stern. Weil der Untergrund ruhig ist, wirkt jedes einzelne Weihnachtsstück doppelt so stark.

Der November ist keine Wartezeit. Er ist der Monat, in dem das Zuhause zum ersten Mal seit dem Frühling wieder ganz bei sich ist.

Jona

Über die Autorin

Jona · Villa Bloom & Co.

Ich schreibe über Landhausstil, Garten, Terrasse und gemütliches Wohnen – aus echter Überzeugung und eigener Erfahrung. Alles, was ich hier empfehle, habe ich selbst ausprobiert. Mehr über mich →

Jetzt du.

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